Aufgaben in Kooperationen klar verteilen
Für den Erfolg von Kooperationen zwischen Milchviehhaltern sind viele Voraussetzungen notwendig. Nicht nur die „Chemie“ zwischen den beteiligten Partnern muss stimmen. Auch eine klare Aufgabenverteilung ist unerlässlich.

Die Familien Rethmeier und Bahrenburg arbeiten seit dem Jahr 2002 erfolgreich partnerschaftlich zusammen.

„Ein offener Umgang miteinander und die Gewissheit, dass wir uns vollkommen aufeinander verlassen können, sind die wichtigsten Eckpfeiler unserer Zusammenarbeit“, sagt Michael Rethmeier, einer der Betriebsleiter der Rethmeier-Bahrenburg GbR, die im letzten Jahr den Titel „Beste Milcherzeuger Niedersachsens“ gewann. Der Milchviehbetrieb in Horstedt wird von Michael Rethmeier gemeinsam mit seiner Frau Doris sowie Inge, Hans-Dieter und Marco Bahrenburg bewirtschaftet. Der Viehbestand umfasst rund 120 Kühe, weibliche Nachzucht und Bullenmast. Außerdem betreibt Familie Bahrenburg einen vielfältigen Kräutergarten, aus dem die Gerichte in der eigenen Gaststätte verfeinert werden.
„Für die Verantwortlichkeiten im Milchviehbetrieb haben wir klare Vorgaben. Diese haben wir an den Stärken jedes Beteiligten in der GbR ausgerichtet“, sagt Milchviehhalter Marco Bahrenburg. „Trotz der Aufgabenverteilung kann aber jeder alles. Das schafft enorme Freiräume für beide Familien, für die Freizeit und für ehrenamtliches Engagement“, ergänzt sein Kollege Rethmeier.
Seit Beginn der partnerschaftlichen Zusammenarbeit sind die Aufgaben in der Kooperation klar verteilt. Die Kälberaufzucht ab dem vierzehnten Lebenstag bis zum Abtränken erfolgt im Betrieb Bahrenburg, dafür verantwortlich ist Hans-Dieter Bahrenburg. Nach dem Abtränken bleiben die männlichen Tiere dort und werden gemästet. Die weiblichen Absetzer werden in den Altgebäuden von Familie Rethmeier aufgestallt. Das Füttern und Versorgen der weiblichen Nachzucht wird dort von den Altenteilern durchgeführt.
„Ich war 20 Jahr lang als Besamungstechniker tätig und bin daher in unserer Kooperation verantwortlich für das gesamte Fruchtbarkeits- und Besamungsmanagement“, sagt Michael Rethmeier. Seine Frau Doris ist für die gesamte Buchführung und für die Bankgeschäfte zuständig.
In Marco Bahrenburgs Verantwortung liegt die Kontrolle der betriebswirtschaftlichen und produktionstechnischen Abläufe sowie der Futtermittel-Bestellungen und der Rationsplanung. „Er ist sehr versiert auf diesem Gebiet und daher prädestiniert für diese Aufgabe“, sagt sein Kollege Rethmeier.
Gemolken wird in der GbR zweimal täglich. Morgens wechseln sich die Betriebsleiter ab, wobei eine Person melkt, während der andere für die Boxenpflege und das Füttern zuständig ist. Abends melkt Doris Rethmeier gemeinsam mit demjenigen, der morgens gefüttert hat.
Hinter dem Management des Betriebes steckt eine klare Strategie. Auf einer To-Do-Liste wird aufgeschrieben, was jeder machen sollte. Falls die Tätigkeit erledigt wurde, wird sie durchgestrichen. Ansonsten übernimmt der nächste, der im Stall ist, die Aufgabe. Auf einer großen Tafel am Stall ist alles übersichtlich notiert. So sieht jeder der Beteiligten auf einen Blick, was am jeweiligen Tag zu tun ist. „Wir haben einen sehr offenen Umgang miteinander. Falls es einmal Konflikte oder Probleme gibt, sprechen wir diese direkt an“, sagt Marco Bahrenburg.
Besonders wichtig für ihn und seine GbR-Partner sind ein hohes Maß an Hygiene und Sauberkeit sowie ein straffes Management in allen Bereichen der Produktion. Ein Beispiel dafür ist das Fruchtbarkeitsmanagement, für das Michael Rethmeier zuständig ist. Nicht nur das Besamen der Tiere führt er in Eigenregie durch, sondern auch die Trächtigkeitsuntersuchungen oder Prostaglandin-Gaben. Einige Tage vor dem Abkalben kommen die Tiere in die Abkalbebox, die mit sauberem Stroh tief eingestreut ist. Auch nachts führt der Landwirt eine Geburtsüberwachung durch. „Es ist ganz wichtig, dass die Kälber sofort Biestmilch erhalten und dass man dem Festliegen einzelner Kühe vorbeugt“, erklärt der Landwirt. Daher werden bei Bedarf auch nachts Calzium-Infusionen gegeben. Nach der Geburt werden die Kälber sofort in saubere, eingestreute Iglus gebracht, die sich neben dem Kuhstall befinden. Die Kuh erhält sofort Wasser aus dem Eimer. Dann wird kontrolliert, ob sie möglichst schnell zu fressen beginnt. Außerdem erhalten die Kälber Biestmilch. Um jederzeit ausreichend und zeitnah Kolostrum geben zu können, wird regelmäßig Biestmilch eingefroren.
In den ersten Tagen nach dem Abkalben bleiben die Kühe noch in der Abkalbebucht auf Stroh, um sie dort besser kontrollieren zu können. Im Rahmen der Krankheitsvorbeuge misst Michael Rethmeier über einen Zeitraum von sieben Tagen nach der Geburt die Körpertemperatur. Das intensive Management Abkalbemanagement lohnt sich. Denn die Kälberverluste liegen deutlich unter fünf Prozent. Dies ist auch die Voraussetzung dafür, dass die Rethmeier-Bahrenburg GbR regelmäßig auf Auktionen Erstkalbinnen verkaufen kann. Bei einer Remontierungsrate von unter 24 Prozent ist dies eine lukrative Einkommensalternative
www.lemmer-fullwood.info
- Dateien:
Wochentipp_15-2008.pdf

