Bei Kälberdurchfall auch an Kokzidiose denken
Die Infektionskrankheit Kokzidiose stellt für Rinderbestände auf der ganzen Welt ein erhebliches Problem dar. In der Praxis wird die parasitäre Erkrankung aber oft noch unterschätzt.
Dies berichtete Prof. Dr. Arwid Daugschies, Direktor des Institutes für Parasitologie an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig, beim diesjährigen „XXV. World Buiatrics Congress“ in Budapest. Wie Umfragen unter europäischen Tierärzten zeigen, wird die Kokzidiosein der Praxis häufig nicht erkannt. Erste Symptome bei Kälbern, wie der Rückgang der Futteraufnahme, schlechteres Wachstum oder Durchfall, würden oft als bakterielle oder virale Infektionen fehl gedeutet, so Prof. Daugschies. Die Folge sei häufig eine falsche Behandlung mit Antibiotika; der Therapieerfolg bliebe aus. Der Leipziger Forscher plädiert daher für eine umfassende Differenzialdiagnostik, um eine Infektion mit Kokzidien nachzuweisen.
Die Erkrankung wird durch Infektionen mit einem Parasiten der Gattung Eimeria verursacht. Es sind zahlreiche Eimerienarten bekannt, wobei vor allem Eimeria bovis (E.bovis) und Eimeria zuernii (E.zuernii) pathogen sind und die größte Bedeutung für das klinische Geschehen in der Stallhaltung haben. Sie betreffen überwiegend junge Kälber im zweiten und dritten Lebensmonat Eimeria alabamensis verursacht kokzidiosebedingte Durchfälle in Kälbern nach dem erstmaligen Weideaustrieb.
Die Infektion mit Kokzidien führt zu Schäden im Darm. Dadurch kommt es zur Degeneration der Darmzotten und zu Läsionen in Dünn- und Dickdarm, wodurch die Resorptionsfläche für Nährstoffe drastisch reduziert wird. Bei der klinischen Kokzidiose kommt es je nach Schwere der Erkrankung zu wässrigem bis zu blutigem Durchfall, in dem häufig Schleimbeimengungen beobachtet werden und der übel riecht. Die Futteraufnahme der betroffenen Rinder geht deutlich zurück. Oft wirken die Bauchdecken aufgezogen, und der Rücken ist gekrümmt, was auf Schmerzen im Magen-Darm-Bereich hindeutet. Die Tiere pressen wiederholt und angestrengt, um Kot abzusetzen. Dies wird als „Tenesmus“ bezeichnet. Zudem zittern sie häufig am ganzen Körper. Bei schweren Verlaufsformen kommt es zu starkem Gewichtsverlust, zur Dehydration, zum Festliegen und Verenden der Rinder.
Bei der subklinischen Kokzidiose fehlen die oben beschriebenen deutlich sichtbaren Krankheitssymptome. Dennoch entwickeln sich die Kälber unter einer leichten Infektion wesentlich schlechter als gesunde Artgenossen. Die Futteraufnahme sinkt schleichend, und die Futterverwertung wird schlechter, weil die Resorption der Nährstoffe im Darm nicht optimal verläuft. Als Folge dessen sind auch die täglichen Zunahmen geringer, die Tiere wachsen langsamer. Sie bleiben in ihrer Entwicklung zurück und sind häufig anfällig für andere Erkrankungen. Zudem scheiden die unauffällig infizierten Tiere ständig neue infektionsfähige Eimerien aus und stellen so ein Risiko für gesunde Kälber dar. Die ökonomischen Verluste durch die subklinische Kokzidiose sind massiv!
Der Darm infizierter Tiere wird nämlich bereits vor dem Einsetzen der Symptome massiv und nachhaltig geschädigt. Die Nährstoffaufnahme ist dann dauerhaft vermindert und die Immunität geschwächt. Um ein Ausbrechen der Krankheit und spätere Leistungsminderungen zu verhindern, müsse daher die Behandlung möglichst vor dem Auftreten des ersten Durchfalls erfolgen, so Prof. Daugschies. Grundlage dafür ist die zielgerichtete Diagnostik. Diese umfasst die klinische Beurteilung der Einzeltiere und des Bestandes sowie die Vorberichte über Durchfallerkrankungen und die mangelnde Futterverwertung in der Herde. Außerdem erfolgt die Labordiagnostik von Kotproben, in denen die Oozysten (infektionsfähiges Entwicklungsstadium des Parasiten) mit der McMaster-Methode lichtmikroskopisch nachweisbar sind.
Wenn bereits klinische Symptome bei betroffenen Tieren auftreten, ist der Erfolg der Therapie gegen Kokzidiose suboptimal. Die genaue Diagnostik ermöglicht eine strategisch angelegte Behandlung vor dem Ausbrauch der Krankheit (so genannte Metaphylaxe).
Als effizienter Wirkstoff gegen Kokzidien kann „Toltrazuril“ zum Einsatz kommen, der in der Praxis bereits seit längerem erfolgreich zur Behandlung von Kokzidiose bei verschiedenen Tierarten wie Schweinen Verwendung findet. Dieser Wirkstoff hemmt die intrazelluläre Entwicklung der Erreger und bekämpft sie in allen Stadien ihres Lebenszyklus. Mit einer frühzeitigen und fachgerechten Behandlung wird die Entwicklung einer klinischen Kokzidiose verhindert.
Um das Infektionsrisiko mit Kokzidien zu verringern, sollten Rinderhalter zudem Vorbeugemaßnahmen ergreifen. Die Hygiene und die Umweltbedingungen im Stall sollten optimiert und jegliche Stressfaktoren für die Kälber minimiert werden.
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