Biestmilchmanagement in der Kälberaufzucht optimieren
Ziel der Kälberaufzucht im Milchviehbetrieb ist die Produktion einer gesunden und leistungsbereiten Färse mit einem hohen Grundfutteraufnahmevermögen. Einer der wesentlichen Grundsteine für einen gesunden Start in die Aufzucht ist die frühzeitige und ausreichende Biestmilchgabe nach der Geburt.
Dies ist neben der Optimierung von Haltung, Hygiene, Klima und Fütterung mit Abstand die wichtigste Maßnahme, um Durchfall- und Atemwegserkrankungen vorzubeugen und die Verlustrate zu senken. Die frühe und ausreichende Gabe von Kolostrum dient dem Aufbau der passiven Immunität in den ersten Lebenswochen, bis das eigene Immunsystem des Kalbes beginnt, Antikörper zu bilden.
Die erste Gewinnung und Gabe der Biestmilch sollte daher so früh wie möglich erfolgen. Denn zum einen fällt der Immunglobulingehalt in der Milch innerhalb weniger Stunden nach dem Abkalben stark ab. Zum anderen ist der Darm des Kalbes nur in den ersten Lebensstunden für diese großen Eiweißmoleküle optimal durchlässig. In den ersten zwölf Stunden nach der Geburt können bis zu 50 Prozent der Immunglobuline die Darmwand ungehindert passieren. Nach 30 bis 36 Stunden ist bereits keine Absorption dieser wichtigen Eiweiße mehr möglich.
Doch auch nach 36 Stunden ist eine weitere Tränke mit Biestmilch sinnvoll. Die Milch ist dann ohnehin noch nicht verkehrsfähig. Zudem haben die mütterlichen Antikörper im Kolostrum im Darm eine Schutzwirkung gegen potenziell krankmachende Keime. Die Kolostralmilch dient nicht nur dem Aufbau des Immunschutzes. Sie verbessert auch die Darmfunktion, um Nährstoffe zu absorbieren. So entwickelt sich durch die Biestmilchgabe die Darmschleimhaut besser und besitzt größere sowie stärker ausgeprägte Darmzotten.
Je nach betrieblichem Ablauf wird spätestens ab der zweiten Lebenswoche auf die Tränke mit einem hochwertigen Milchaustauscher oder Vollmilch, gegebenenfalls angesäuert als Vorratstränke umgestellt.
Neben einem optimalen Biestmilch- und Tränkeregime benötigt das Kalb für eine ungestörte Entwicklung optimale Umweltbedingungen. Daher gilt der Grundsatz, dass spätestens nach 24 Stunden eine Trennung von der übrigen Herde erfolgen sollte, um eine gesonderte Aufzucht zu ermöglichen.
Download: LF_Wochentipp_KW12_Biestmilch.PDF

