Die Routinearbeitszeit beim Melken senken
Häufig gehen Entscheidungen für einen Stallneu- oder umbau mit der Investition in neue Melktechnik einher.
Eines der vorrangigen Ziele ist dabei die Erhöhung des Durchsatzes pro Stunde und damit der Effizienz beim Melken, um die Dauer der täglichen Melkzeiten zu senken. Gleichzeitig spielen ein schonender Milchentzug und die Sicherung der Milchqualität eine große Rolle.
Welches Melksystem zum Einsatz kommt, ist stets eine sehr betriebsindividuelle Entscheidung. Einige Grundsätze sollten aber auch hier im Vorfeld beachtet werden. Ein Melkstand besitzt in der Regel eine Lebensdauer von bis zu 20 Jahren. Für eine ausreichende Dimensionierung ist es daher wichtig, bei den Planungen die erwartete Herdengröße in den nächsten zehn bis 20 Jahren so realistisch wie möglich zu kalkulieren. Ansonsten läuft man bei Wachstumsschritten Gefahr, dass die Melktechnik irgendwann wieder zum Arbeitszeit raubenden Engpass wird.
Die möglichen Durchsätze in jedem Melksystem werden von der benötigten Routinearbeitszeit (RAZ) des Melkers pro Kuh bestimmt. Diese setzt sich aus folgenden Tätigkeiten zusammen:
- Hereintreiben der Kühe,
- Euter und Zitzen säubern,
- Vormelken,
- Ansetzen der Melkzeuge,
- Abnehmen der Melkzeuge,
- Dippen der Zitzen und das Herauslassen der Kühe.
Je geringer die Routinearbeitszeit pro Kuh ist, desto mehr Tier können pro Stunde von einer Person gemolken werden.
In deutschen Milchviehbetrieben schwanken die Routinearbeitszeiten je Kuh von rund 1 Minute bis etwa 30 Sekunden. Die RAZ wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Das Hereintreiben der Kühe in den Melkstand nimmt in modernen Stallungen mit großzügigem Vorwartehof und automatischer Nachtreibehilfe keine zusätzliche Arbeitszeit in Anspruch, während dies in Altgebäuden häufig zu Verzögerungen führt.
Das Reinigen der Euter und Zitzen geht umso schneller, je sauberer die Kühe sind. Dies hängt direkt mit der Boxenpflege zusammen, die noch immer in vielen Betrieben vernachlässigt wird.
Das ausreichende Anrüsten der Tiere würde in Melkständen mit geringem Automatisierungsgrad insgesamt viel Zeit in Anspruch nehmen. Daher verzichten viele Betriebsleiter mit älteren Melksystemen auf diesen physiologisch wichtigen Schritt und riskieren dadurch Leistungseinbußen. Um die Kühe ohne zusätzlichen Aufwand anzurüsten und gleichzeitig hohe Leistungen zu sichern, sollte daher eine automatische Stimulationspulsation zum Einsatz kommen. Ein weiterer Pluspunkt für Eutergesundheit und Arbeitsroutine ist der Einsatz einer milchflussgesteuerten Pulsation und die automatische Abnahme der Melkzeuge. Ein Sprayroboter zum Einsprühen der Zitzen mit desinfizierender Lösung nach dem Melken senkt die Routinearbeitszeit pro Kuh zusätzlich. Die Ausführungen zeigen, dass mit steigendem Automatisierungsgrad die Routinearbeitszeit pro Kuh deutlich sinkt.
www.lemmer-fullwood.info
- Dateien:
WT_KW3007.pdf

