Färsen vor dem Abkalben melken?
Studien aus den USA zeigen, dass das Melken von Färsen vor dem ersten Abkalben einen positiven Einfluss auf die Milchleistung, die Gesundheit und das Wohlbefinden zu haben scheint.

Falls Färsen vor dem ersten Abkalben bereits gemolken werden sollen, ist ein geeignetes Fütterungskonzept notwendig, um das Risiko von Energiedefiziten zu senken.
Ziel dieser Strategie ist, den Stress für die Tiere rund um den Geburtszeitraum zu reduzieren und auf diese Weise Folgeproblemen wie Stoffwechselstörungen, Mastitis oder Gebärmutterentzündungen vorzubeugen. In Praxisversuchen wurde etwa zwei bis drei Wochen vor dem erwarteten Abkalbetermin mit dem Melken der Färsen begonnen.
In einer jüngsten Studie der Purdue Universität im amerikanischen Mississippi hatten Tiere, die bereits vor der ersten Geburt gemolken wurden, nach dem Abkalben eine höhere Milchleistung als die Kontrollgruppe ohne vorheriges Melken. Auch in den ersten 14 Tagen nach der Geburt produzierten die angemolkenen Färsen um bis zu 8 kg mehr Milch pro Tag als die Kontrolltiere. Nach diesem Zeitraum waren die Leistungen in der restlichen Laktation annähernd gleich. Die Eutergesundheit von vor dem Abkalben gemolkenen Tieren war in mehreren Studien ebenfalls besser als bei Färsen ohne diese Strategie.
Trotz der positiven Ergebnisse in mehreren Feldstudien stellen die Wissenschaftler klar, dass noch weitere Untersuchungen notwendig sind, um beispielsweise geeignete Fütterungskonzepte zu etablieren und damit das Risiko von Energiedefiziten zu senken. Denn die optimale Versorgung der Tiere vor dem ersten Abkalben stellt ohnehin eine Herausforderung dar, die durch das zwei- bis dreiwöchige Anmelken noch deutlich steigt.
Offen ist zudem, wie sich diese Strategie auf die Fruchtbarkeit der Tiere auswirkt. Entscheidend für die Praxis ist daneben, dass sich das Anmelken der Färsen in die betrieblichen Abläufe integrieren lässt, ohne dass dafür zu viel Arbeitsaufwand anfällt.
www.lemmer-fullwood.info
- Dateien:
Wochentipp_30-2008.pdf

