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Mit dem Melkroboter mehr Flexibilität und Zeitersparnis

Die Milchkühe auf dem Schöpcherhof von Birgit und Christoph Lüpschen im Bergischen Land werden von drei Merlins von Fullwood gemolken. Das automatische Melken entlastet die Familie und ermöglicht eine flexiblere Einteilung der täglichen Arbeitszeit.

Birgit und Christoph Lüpschen können sich heute ihre Zeit flexibler einteilen.

 „Wir haben in den vergangenen Jahren unseren Kuhbestand schrittweise auf derzeit 180 Kühe vergrößert, um unsere Produktivität zu steigern“, sagt Milchviehhalter Lüpschen, der einen Familienbetrieb mit rund 155 ha Fläche bewirtschaftet. Im Zuge der Wachstumsschritte in den letzten Jahren erweiterte Familie Lüpschen ihren vorhandenen Boxenlaufstall in der Längsachse. Die Melktechnik blieb und wurde nicht an den größer werdenden Bestand angepasst. „Die Melkzeiten im alten 2 x 6er Fischgrätenmelkstand dauerten zusehends länger. Das konnte so nicht mehr weitergehen“, sagt der passionierte Landwirt.

Nach intensiven Recherchen und sorgfältigem Abwägen stand die Entscheidung fest: Ein Teil der Herde sollte zukünftig automatisch gemolken werden. Im Jahr 2001 hielt ein Merlin von Lemmer-Fullwood Einzug in den Betrieb. Die Einboxenanlage ist für das Melken von rund 60 bis 70 Kühen ausgelegt. „Wir haben unsere Herde damals entsprechend aufgeteilt, da uns eine sofortige Investition in zwei Melkroboter zunächst zu hoch und zu risikoreich erschien. Wir wollten zuerst sehen, wie sich der Roboter bei uns in der Praxis bewährt“, erklärt der promovierte Agraringenieur. 60 Kühe wurden daraufhin automatisch gemolken, das Melken der anderen 60 Tiere erfolgte wie bisher im alten Fischgrätenmelkstand mit geringerem Zeitaufwand.

Installation in vorhandene Stallungen kein Problem

Der Merlin ließ sich ohne großen Aufwand in den vorhandenen Boxenlaufstall integrieren. „Wichtig ist beim Einbau darauf zu achten, dass ein reibungsloser Kuhverkehr gewährleistet ist“, stellt Christoph Lüpschen klar. „Die Tiere müssen freie Sicht auf die Melkbox haben. Auf den Wegen in und aus dem Roboter dürfen sich keine Hindernisse befinden. Außerdem muss das System so installiert werden, dass die Kühe nicht um eine Ecke gehen müssen, um zum Melken zu gelangen.“

Von Beginn an nahmen die 60 Kühe das neue Melkverfahren sehr gut an. Auch die Technik erwies sich als zuverlässig und funktionierte fast störungsfrei. Schon mit Installation des ersten Roboters sank der Arbeitsaufwand im Betrieb Lüpschen merklich. Um noch mehr Zeit einzusparen und unabhängig von den festen Melkzeiten zu werden, wurde im Jahr 2004 ein zweiter Merlin in den Stall integriert.  Seitdem wird die gesamte Herde automatisch gemolken.

Im Juli 2007 wurde eine dritte automatische Melkbox, der neue Merlin von Fullwood, parallel zum zweiten System in den Stall integriert. Außerdem wurden die die beiden vorhandenen Melkroboter auf den neuesten Stand der Technik kostengünstig nachgerüstet. Derzeit läuft die Aufstockung der Herde auf über 200 Kühe.

Herdenmanagement ändert sich

Die Kühe haben im Betrieb Lüpschen rund um die Uhr freien Zugang zum Merlin. Der Kuhverkehr ist nicht geregelt, das heißt die Tiere müssen nicht durch den Roboter gehen, um zum Futtertisch zu gelangen. „Der freie Kuhverkehr funktioniert bei uns sehr gut“, sagt Milchviehhalter Lüpschen. Beim Blick in den Kuhstall lässt sich diese Aussage schnell bestätigen. Die Ruhe in der Herde ist beeindruckend, die Tiere stehen geduldig vor der Melkbox und warten, bis sie an der Reihe sind.

Das Management der Milchviehherde ändert sich beim automatischen Melken aber grundlegend. „Man ist zwar nicht mehr an feste Melkzeiten gebunden und kann die Arbeit flexibler einteilen. Aber die täglichen Kontrollen am Bildschirm müssen der wichtige Bestandteil der Tagesroutine werden, damit das automatische Melken reibungslos funktioniert, d.h. eine hohe Anzahl an Melkungen erreicht wird.“ Christoph Lüpschen betont damit, wie wichtig es ist, sich gerade beim automatischen Melken jeden Tag systematisch um die Herdenführung zu kümmern.

Man dürfe nicht glauben, dass man mit Einzug des Roboters plötzlich alles wie von alleine laufe. Insbesondere die Kontrolle von Tier und Technik müsse täglich konsequent gewährleistet sein. „Grundsätzlich müssen die Tiere für den Roboter trainiert werden“, sagt er. Innerhalb der ersten Woche nach dem Abkalben kontrolliert der Landwirt mehrmals am Tag anhand der im Computer erstellten Listen, ob jede Kuh die Melkbox oft genug zum Melken kam. Ist dies bei Einzeltieren nicht der Fall, müssen diese zum Roboter geleitet werden. Färsen benötigen eine gewisse Anlernphase. „Nach durchschnittlich drei bis maximal fünf Tagen haben die Tiere das System in der Regel verstanden und gehen von da an ohne unser Zutun zum Melken.“ Wenn eine Kuh absolut nicht mit dem Roboter klar kommt, wird sie aus der Herde selektiert. Denn sonst geht zu viel Arbeitszeit durch das ständige Hineintreiben verloren. Es gab auch Kühe, die waren aufgrund einer sehr extremen Euterform oder Strichplatzierung nicht für das automatische Melken geeignet. „Bei allen anderen Tieren funktioniert das Ansetzen des Melkzeuges hervorragend und störungsfrei“, so Landwirt Lüpschen.

 

Sein Arbeitstag beginnt heute mit dem Ausdrucken von Listen am Computer im Stallbüro, das sich dicht an die Merlins anschließt. Die wichtigsten Informationen liefern die Liste mit dem Gemelken der letzten 24 Stunden und die Liste mit Kühen, die in den vergangenen acht Stunden nicht gemolken worden sind. „Diese Einzeltiere werden dann für zwei Stunden so abgesperrt, dass sie durch die Melkbox laufen müssen“, erklärt er das Vorgehen. Wichtig für die richtige Interpretation der zahlreichen Einzeltierdaten ist, dass man seine Herde sehr gut kennt. „Man muss ein guter Kuhmensch sein, um zuordnen zu können, warum es bei einzelnen Kühen Abweichungen gibt.“ Nach der morgendlichen Kontrolle der Melkabläufe erfolgt der Filterwechsel an den Robotern, anschließend werden die Kühe mit dem Mischwagen gefüttert. Morgens und abends werden die beiden Melkboxen mit dem Hochdruckreiniger gesäubert. „Hygiene ist beim automatischen Melken genauso wichtig, wie in einem konventionellen Melkstand. Denn schließlich ist der Roboter der Ort der Milchgewinnung“, stellt Christoph Lüpschen klar.

 

Familie Lüpschen hat ihre Entscheidung für das automatische Melken nicht bereut. Denn der tägliche Arbeitsaufwand zum Betreuen und Führen der gesamten Herde ist um zwei Stunden gesunken. „Wir machen abends um 18.00 Uhr Feierabend“, freut sich Christoph Lüpschen. Dadurch hat er Zeit für andere Tätigkeiten im Betrieb sowie für seine Familie und sein Engagement im Ehrenamt gewonnen.

 

www.lemmer-fullwood.info

20. Apr 08