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Mit Weidehaltung kostengünstiger produzieren

Mit welchem Haltungssystem lässt sich am günstigsten Milch erzeugen? Um diese Frage zu beantworten, wurden in der Schweiz über drei Jahre hinweg zwei Milchviehherden auf einer identischen Fläche in unterschiedlichen Produktionssystemen gehalten und miteinander verglichen.

Das System «Stallherde» kennzeichneten eine höhere Einzeltierleistung und intensive Stallfütterung, während für die «Weideherde » eine Vollweide mit saisonaler Abkalbung betrieben wurde. Die wirtschaftliche Bewertung der beiden Systeme aufgrund der Versuchsdaten aus dem Systemvergleich Milchproduktion Hohenrain ergibt interessante Ergebnisse.

Die Stall-Herde, bestehend aus je zwölf Holstein-Friesian und Braunvieh-Kühen, wurde ganzjährig im Laufstall gehalten und mit einer Teil-TMR, bestehend aus Maissilage, Grassilage und Proteinausgleichsfutter, gefüttert. Kraftfutter erhielten die Kühe nach Bedarf über eine Futterstation. Die Kühe produzierten pro Laktation mit 1094 kg Frischsubstanz (FS) Kraftfutter 9607 kg energiekorrigierte Milch (ECM) und pro Standardlaktation 675,4 kg Fett und Eiweiss. Auf die Fläche bezogen produzierte die Stall-Herde 12717 kg ECM/ha LN/Jahr.

Im Weidehaltungs-System wurden 14 Swiss Fleckvieh und 14 Braunvieh Kühe bei Laktationsbeginn, von Januar bis März, im Laufstall gehalten und anschließend während der Vegetationszeit auf einer Kurzrasenweide, aufgeteilt in vier Parzellen. Das Heu wurde im Sommer von den Parzellen geerntet, belüftet und ab Herbst im Laufstall verfüttert, während der Startphase ad libitum. Die Kühe erzeugten unter diesen Bedingungen pro Laktation mit 285 kg FS Kraftfutter 5681 kg ECM und pro Standardlaktation 434,9 kg Fett und Eiweiß. Das macht auf die Fläche bezogen 10307 kg ECM/ha LN/Jahr.

Doch zahlt sich die höhere Produktivität wirklich aus? Bei den Leistungen erwirtschaftet die Stallherde zwar insgesamt höhere Produkterlöse, was in erster Linie durch die höhere Milchproduktion bedingt ist. Mit fast vier Kühen weniger werden auf der gleichen Fläche 18 % mehr Milch produziert. Die Weideherde macht den geringeren  Milcherlös aber durch höhere Nebenerlöse (Schlachtkühe, Kälber) und höhere Direktzahlungen (mehr Kühe) wieder mehr als wett und erreicht so eine um fast zwei Rappen (1,7 Cent) höhere Gesamtleistung je Kilogramm Milch.

Hinsichtlich der Direktkosten weist die Stallherde insbesondere beim Futterzukauf deutlich höhere Kosten auf, während sich die übrigen Kostenpositionen weniger stark unterscheiden. Diese liegen bei der Stallherde absolut betrachtet zwar oft höher, können aber durch die höhere Milchproduktion weitgehend wieder wettgemacht werden.

Größere Differenzen sind bei den Strukturkosten auszumachen, vor allem was den Maschinenbereich betrifft (inkl. Lohnarbeiten). Hierbei stechen insbesondere die hohen Kosten für Lohnunternehmen ins Auge. Diese resultieren aus dem allgemein deutlich höheren Konservierungsaufwand, dem Silomais-Anbau und der Siloballenproduktion, deren Kosten alle einen hohen Anteil für Lohnunternehmen aufweisen. Dagegen hat die Weideherde aufgrund der silofreien Fütterung klar höhere Gebäudekosten und, daraus folgend, auch höhere Kapitalkosten – primär infolge des Dürrfutterlagers.

Die Kostennachteile der Stallherde bei den Maschinen wiegt jedoch schwerer als der höhere Gebäudeaufwand für die Weideherde, so dass diese bei den fremden Strukturkosten mit gut 39 Rappen (32 Cent) fast vier Rappen (€ 3,3 Cent) günstiger liegt als die Stallherde (rund 43 Rappen (35,4 Cent)). Insgesamt resultiert bei den Fremdkosten ein Kostenvorteil für die Weideherde von knapp acht Rappen (6,6 Cent) je Kilogramm Milch (69,6 Rappen (58 Cent) zu 77,2 Rappen (63,3 Cent)).

Bei den eigenen Strukturkosten, insbesondere bei den Arbeitskosten produziert die Stallherde trotz der umfangreichen Konservierung und Stallfütterung leicht günstiger als die Weideherde, nämlich um 1,6 Rappen (1,3 Cent). Auch hier spielt wieder die höhere Milchleistung eine Rolle, auf die die Kosten verteilt werden. Insgesamt muss für die Stallherde knapp 300 Stunden mehr Arbeit aufgewendet werden. Im Weiteren ist der Kostenvorteil auch auf die maschinelle Rationalisierung mit dem Futtermischwagen zurückzuführen, die sich entsprechend bei den Maschinenkosten bemerkbar macht.

Die Arbeitsproduktivität (kg Milch pro AKh) ist für beide Herden nahezu gleich hoch. Mit leicht höheren Leistungen und deutlich geringeren Fremdkosten lässt sich mit der Weideherde schließlich ein höheres Einkommen erzielen als mit der Stallherde. Das Mehreinkommen liegt bei knapp CHF 12 000,- (€ 9840,-). Die Arbeitsverwertung ist aufgrund des geringeren Arbeitseinsatzes je nach Variante rund doppelt so hoch wie bei der Stallherde. Die konsequente Reduktion wichtiger Fremdkostenpositionen (z. B. Kraftfutter, Silomais) wirkt sich günstiger auf das Einkommen aus, als der Fokus auf einen höheren Milcherlös mit Hilfe höherer Tierleistungen und intensiver Stallfütterung.

Dies trifft insbesondere zu, wenn niedrige Milchpreise nicht durch niedrigere Einkaufspreise für Kraftfutter oder Dienstleistungen (Lohnunternehmen) kompensiert werden können. Diese variablen Kosten belasten die Kosten der Stallherde erheblich und können nur durch eine Senkung der fixen Kosten (Maschinen, Gebäude, Arbeit) mit Hilfe einer deutlichen Produktionsausdehnung kompensiert werden. Allerdings führt eine solche Produktionsausdehnung in der Regel wiederum zu Folgekosten.

Unter gegebenen Wachstumsrestriktionen kann folglich mit einer Weidestrategie das Kostensenkungspotential rascher und mit weniger Risiko umgesetzt werden. Allerdings ist ein Vollweidesystem nicht an allen Standorten realisierbar. Aber in Grünlandregionen mit ausreichend Weidefläche vor dem Stall kann es lohnenswert sein, sich über die Vollweide Gedanken zu machen.

Nähere Informationen zu dem Langzeitversuch gibt es im Internet unter www.milchprojekt.ch.

19. Jan 12