Mitarbeiter im Milchviehbetrieb beschäftigen
Investitions- und Wachstumsschritte in Familienbetrieben führen häufig dazu, dass die eigene Arbeitskapazität nicht mehr ausreicht. Viele Milchviehhalter denken daher über das Einstellen von Fremdarbeitskräften nach.
Dieser Schritt muss im Vorfeld sehr genau geplant und überdacht werden. Um den Lohnaufwand für eine Vollzeit-AK tragen zu können, muss der Betrieb etwa 60 bis 80 Kühe mehr melken. Diese Kosten müssen bei Wachstumsschritten zusätzlich zur Investition für die Stall- oder Melktechnikerweiterung bzw. für den Neubau und für den Quotenkauf mit einkalkuliert werden.
Neben den betriebswirtschaftlichen Planungen sollte vor allem auch die eigene Einstellung hinterfragt werden. Denn für einen Familienbetrieb ist das Beschäftigen eines Mitarbeiters in der Regel völliges Neuland. Insbesondere das klare Einteilen der Arbeit und das Definieren von Verantwortungsbereichen stellt die Betriebsleiter oft vor Probleme. Folgende Dinge sollten daher im Vorfeld überlegt werden:
- Können wir gut mit Menschen umgehen?
- Können wir uns daran gewöhnen, dass ständig eine fremde Person mit auf dem Hof ist?
- Sind wir in der Lage, klare Arbeitspläne zu erstellen und gezielt Verantwortungsbereiche festzulegen?
- Wollen wir Verantwortung abgeben?
- Können wir Probleme offen ansprechen?
- Kennen wir uns mit den rechtlichen Bedingungen für das Beschäftigen von Fremdpersonal aus?
- Können wir dem Mitarbeiter innerhalb des Betriebes einen privaten Raum anbieten, wo er ungestört seine Pausen verbringen kann?
- Ist der Arbeitsplatz Milchviehstall in unserem Betrieb „schmackhaft“ genug (Sauberkeit etc.)?
Inzwischen werden zahlreiche Seminare zur Mitarbeiterführung angeboten, in denen Milchviehhalter für den Umgang mit Fremd-AK geschult werden.
Hat man sich für die Einstellung eines Mitarbeiters entschieden, sollte man sich im Klaren darüber sein, dass die Entlohnung fair und leistungsbezogen erfolgen sollte. Je besser die Fremd-AK ist und je mehr Bereiche sie eigenständig betreut, desto höher muss der Lohn sein. Dies gilt für Familienbetriebe genauso wie für Lohnarbeitsbetriebe.
Doch es muss nicht immer eine Vollzeit-Arbeitskraft sein, die im Betrieb mithilft. Man sollte nach Alternativen suchen. So kann beispielsweise das Melken möglicherweise auch von fachfremden Personen mit Interesse sowie Spaß an Kühen und Milchproduktion erledigt werden. Viele Menschen, insbesondere Frauen, suchen im ländlichen Raum Teilzeitjobs.
www.lemmer-fullwood.info
- Dateien:
Wochentipp_12-2008.pdf


