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Risiko-Management im Milchviehbetrieb

Hauptziele eines systematischen Risiko-Managements sind das realistische Einschätzen betrieblicher Potenziale, das Aufdecken von Schwachstellen und die Minimierung von Risiken finanzieller sowie produktionstechnischer Art.

Hilfreich dafür ist ein "Vier-Punkte-Plan":

1 Ziele setzen

Klar definierte Ziele sowohl für den Betrieb als auch für die Familie helfen, die Erfolgschancen zu erhöhen. Je klarer die Vorstellungen formuliert werden, desto gezielter kann man sie später umsetzen. Die Zielsetzung umfasst sowohl kurzfristige Maßnahmen als auch die Entwicklung langfristiger Belange, zum Beispiel die Frage, wo das Unternehmen in zehn Jahren stehen soll.

Alle Ziele sollten schriftlich formuliert werden. Die "SMART"-Formel hilft dabei:

S - Spezifisch: Ein Ziel soll konkret, eindeutig und präzise formuliert sein, sonst bleibt es nur ein vager Wunsch.

M - Messbar: Ein Ziel und ein Erreichungsgrad müssen überprüft werden können.

A - Aktionsorientiert: Ein Ziel soll Ansatzpunkt für positive Veränderungen aufzeigen, statt Anweisungen, was nicht getan werden sollte.

R - Realistisch: Ein Ziel sollte zwar hoch gesteckt, aber immer noch erreichbar sein.

T - Terminierbar: Ein Ziel soll einen ausreichenden zeitlichen Bezug mit einem festen Endzeitpunkt besitzen.

2 Sorgfältig planen und Risiken abwägen

Nach der Festsetzung langfristiger und kurzfristiger Ziele erfolgen die strategische Planung der betrieblichen Weiterentwicklungschancen und die Erstellung eines Geschäftsplans. Dieser Schritt erfordert umfangreiche Informationen und die Einbindung externer Fachleute, wie dem Steuerberater. Zunächst sind der Ist-Zustand, die bisher erbrachten Leistungen und die zur Verfügung stehenden Mittel zu erfassen. Daraufhin werden Alternativen, Möglichkeiten und Chancen für die Weiterentwicklung und Optimierung des Betriebes aufgeführt. Anschließend bewertet man die betrieblichen Gegebenheiten sowie die Machbarkeit produktionstechnischer und finanzieller Entwicklungsschritte. Nachdem eine Entscheidung getroffen wurde, wird ein so genannter ?Umsetzungsplan? erstellt. Außerdem wird ein Leitfaden verfasst, der Anhaltspunkte für die Bewertung der erreichten Resultate und Leistungen (Ziele) enthält.

Das Risiko-Management ist ein wichtiger Bestandteil der sorgfältigen Planung. So müssen bei geplanten Investitionsmaßnahmen Schwankungen beim Milch- und Quotenpreis sowie in den biologischen Leistungen mit einkalkuliert werden. Ein sorgfältiger Finanzierungsplan gehört ebenfalls unbedingt dazu, um Finanzierungsfehler im Vorfeld zu vermeiden (siehe auch Wochentipp 39. KW). Finanzierungsfehler lassen sich mit oben genannter Planung zumindest weitestgehend im Vorfeld minimieren. Zu wirtschaftlichen Einbußen kann es aber auch aufgrund von Störungen im Produktionsablauf kommen, die nicht vorhersehbar waren. Hier gilt es, an allen kleinen Schrauben in den Bereichen Haltung, Fütterung, Management und Tiergesundheit zu drehen, um das Risiko möglichst gering zu halten. Generell gilt, dass die Risiken, die am meisten ökonomischen Schaden verursachen können, als erstes ausgeschaltet werden müssen.

3 Planungen umsetzen

Nach Erstellung eine strategischen Betriebs- und Geschäftplanes und der realistischen Einschätzung der möglichen Risiken erfolgt die Umsetzung der geplanten Maßnahmen. Dies beinhaltet unter Anderem das Beschaffen der finanziellen Mittel für einen Investitionsschritt, die Pacht oder den Kauf von Vieh und/oder Flächen, den Quotenkauf u.A.

Die strategische Umsetzung eines Vorhabens ist ein kontinuierlicher Prozess, weil sich die Rahmenbedingungen der Milchproduktion sowohl innerbetrieblich als auch marktwirtschaftlich ändern können. Daher sollten der Milchviehhalter im Familienbetrieb oder der Geschäftsführer eines Großunternehmens stets wachsam sämtliche Entwicklungen beobachten, die den Betrieb bedrohen oder auch neue Chancen bedeuten könnten. Falls sich die Rahmenbedingungen ändern, muss noch während der Umsetzung der Planungen darauf reagiert und Strategien notfalls angepasst werden.

4 Kontrolle

Einer der wichtigsten Punkte im Bereich des Risiko-Managements ist die konsequente und kontinuierliche Kontrolle der biologischen Leistungen und der finanziellen Situation des Betriebes. Dabei sollten die im Betrieb erreichten Resultate stets mit den gesteckten Zielen verglichen werden. Für das Beurteilen der Produktion sind gängige Parameter zu nutzen, die auch einen horizontalen Betriebsvergleich, zum Beispiel im Arbeitskreis, ermöglichen: Entwicklung der Milchleistung, Inhaltsstoffe, Zellzahlen,  Milchleistung aus Grundfutter, Vollkosten pro Kilogramm erzeugter Milch, Qualität der Silagen usw. Die finanzielle Situation ist regelmäßig anhand der Buchführungsdaten zu überprüfen.

 

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19. Okt 07