Für welche Betriebe lohnt sich der Melkroboter?
Interview mit Lothar Weber, Produktmanager bei Lemmer-Fullwood.
Redaktion: Auf dem Markt werden inzwischen auch automatische Melksysteme mit mehreren Boxen propagiert. Welche Vorteile hat das Einzelbox-System?
Weber: Viele Betriebe, die sich für das automatische Melken interessieren, bauen keinen neuen Stall. Sie wollen den alten Melkstand oder die alte Melkanlage ersetzen und müssen dafür den Roboter in den vorhandenen älteren Stall einbauen. Mit der Einzelbox kann der Landwirt dann eindeutig flexibler planen. Das bewährte Einzelbox-Konzept erlaubt es, immer die optimale Lösung für den Kuhverkehr zu finden. Bei ungünstigen und beengten Platzverhältnissen und einer größeren Herde kann die zweite Box an einer ganz anderen Stelle im Stall aufgebaut werden.
Redaktion: Für welche Bestandsgröße reicht eine Box und ab welchem Punkt brauche ich zwei Systeme?
Weber: Die Zahl der Melkstationen hängt von der Anzahl der zu melkenden Kühe ab. Im Durchschnitt melkt beispielsweise ein Merlin 225 zwischen 60 und 70 Kühe am Tag. Je nach Leistung kann das System so bis zu 800.000 Liter pro Jahr melken. Die zweite Station ermöglicht bei geschickter Einteilung der Herde auch eine gezieltere Förderung der hochleistenden Tiere. Und man muss bedenken, dass die Milchquote ja bald wegfallen soll. Damit können Betriebe, die den zweiten Roboter zunächst noch nicht auslasten, dann sofort ihre Chance nutzen.
Redaktion: Kann die Milchleistung gehalten werden, wenn die Kühe plötzlich nach Lust und Laune zum Melken gehen?
Weber: Sie steigt bei fast allen Betrieben mit automatischen Melksystemen. Entscheidend ist, dass die Kuh ihren Rhythmus selbst bestimmen kann. Alle Erfahrungen zeigen, dass sie mehr Futter aufnimmt, öfter zum Melken geht und in der Regel auch mehr Milch gibt. In der Praxis wird die Kuh dadurch nicht mehr nur zwei Mal am Tag gemolken, sondern zwischen 2,3 und 2,8 Mal.
Redaktion: Der Kauf eines Melkroboters ist ja eine erhebliche Investition. Lohnt sich das auch betriebswirtschaftlich?
Weber: Ja, auf jeden Fall. Einerseits bringt die steigende Milchleistung ja mehr Einnahmen aus dem Milchgeld. Wichtig sind aber in Familienbetrieben gerade auch die arbeitswirtschaftlichen Vorteile, wenn die Arbeitszeit der knappe Faktor ist. Sie haben die Arbeit besser im Griff, weil einfache tägliche Routineaufgabe entfallen. Sie können sich dann auf wichtigere Dinge wie beispielsweise das Herdenmanagement konzentrieren. Hierfür liefert Ihnen die automatisierte Tierbeobachtung täglich aktuelle Daten jeder einzelnen Kuh. So erkennen Sie Veränderungen des Gesundheitszustands frühzeitig und sicher. Verlustquellen im Sinne von verborgenen Krankheiten oder Schwächen werden früher entdeckt. Über das Jahr wird so der Deckungsbeitrag pro Kuh spürbar ansteigen.


