Stimmt die Qualität des Tränkwassers für Ihre Kühe?
Bei hartnäckigen Gesundheitsproblemen im Kuhstall sollte auch die Beschaffenheit des Tränkwassers unter die Lupe genommen werden.
Dies ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn Milchviehbetriebe einen eigenen Brunnen zur Wasserversorgung der Tiere nutzen. Eine schlechte Wasserqualität kann neben anderen Faktoren eine Ursache für Leistungseinbrüche und Gesundheitsprobleme sein. Gesetzlich vorgeschriebene Grenzwerte gibt es für Tränkwasser nicht. Daher wird in der Regel empfohlen, die Anforderungen für Trinkwasser im menschlichen Bereich als Maßstab für die Qualität anzusetzen. Wenn die vorgegebenen Richtwerte überschritten werden, kann es zu Störungen des Wohlbefindens und der Gesundheit kommen.
Zu viel Eisen (mehr als 3 mg/l) setzt die Wasserleitungen zu und kann aufgrund des metallischen Geschmacks die Wasseraufnahme reduzieren. Außerdem kann die Wirksamkeit von Medikamenten beeinträchtigt werden.
Ein zu hoher Nitrat-Gehalt (ab 100 bis 150 mg/l) kann zu Fruchtbarkeitsstörungen, Aufblähungen und Krampfzuständen führen.
Zu viel Nitrit ( ab 0,5 bis 1 mg/l) behindert die Sauerstoff-Transportfunktion des Blutes. Es kann zu Aborten, Unfruchtbarkeit, niedrigeren Tageszunahmen und sogar zum Tod der Tiere durch Vergiftung führen.
Wenn das Wasser zu viel Ammonium (ab 1 bis 3 mg/l) enthält, deutet dies auf bakterielle Verschmutzungen hin.
Sulfat kann in zu hohen Mengen (ab 250 mg/l) abführend wirken. Das gleiche gilt für Magnesium (125 mg/l). Zudem kann es durch diese Stoffe zu einem erhöhten Bedarf an Selen und Vitamin E kommen.
Sehr hartes Wasser (Härtegrad über 25°dH) kann die Wirksamkeit von Medikamenten herabsetzen.
Ein pH-Wert unter 5,5 kann Azidosen sowie niedrigere Tageszunahmen verursachen und die Anfälligkeit für andere Stoffwechselstörungen und Infektionskrankheiten erhöhen. Ein zu hoher pH-Wert über 8,5 kann zu Aminosäuren- und Vitamin-Mangel führen.
Problematisch ist in landwirtschaftlichen Betrieben häufig der Keimgehalt im Tränkwasser. Die Belastung mit coliformen Keimen und Bakterien, z.B. mit E.coli, ist immer ein Zeichen für eine Hygiene. Daher können hohe Keimgehalte nicht nur bei Wasser aus dem eigenen Brunnen auftreten, sondern auch, wenn die Versorgung mit Stadtwasser erfolgt. Die Bakterien gelangen im Betrieb nachträglich über verdreckte Rohrleitungen, verschmutzte Tränken oder eine schlechte Stallhygiene ins Wasser. Bereits bei über 100 E.coli-Bakterien je ml Wasser kann es zu Erkrankungen von Dünn- und Dickdarm, zu Durchfall und dadurch bedingt zum Austrocknen der Tiere kommen. Für Kälber ist oft schon ein geringerer Gehalt an E.coli gefährlich, insbesondere wenn andere immunschwächende Faktoren, wie ein schlechtes Stallklima hinzukommen.
Wasserproben untersuchen lassen
Aufschluss über die Wasserqualität liefert die Untersuchung von Wasserproben in einem Labor. Wichtig ist ein penibles Vorgehen bei der Probennahme. Soll die Qualität des Brunnens überprüft werden, muss die Probe direkt an der Pumpe genommen werden. Will man Hinweise auf nachträgliche Verschmutzungen in den Leitungen oder im Stall bekommen, bietet sich eine Wasserentnahme direkt an der Tränkestelle an.
Für die Probennahme dürfen nur saubere Wasserflaschen aus Glas verwendet werden. Flaschen und Deckel sollten vorher ausgekocht werden. Es ist mit sauberen Händen zu arbeiten. Der Wasserhahn oder der Entnahmestutzen am Brunnen sind zu sterilisieren, z.B. durch Abflammen (nur bei Metall möglich). Bei der Probennahme an der Tränke, muss diese vorher gründlich abgespült werden. Man lässt etwa 10 Minuten das Wasser laufen, damit die Leitung freigespült wird. Dann befüllt man möglichst schnell die Flasche. Dabei sollte nicht in die Flaschenöffnung geatmet und diese nicht berührt werden. Die Flasche ist sofort fest zu verschließen und umgehend gekühlt in einem lichtgeschützten Karton oder einer Tasche an das entsprechende Labor zu schicken.
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Wochentipp_10-2008.pdf


