Tipps für den Bau von Milchviehställen
Viele Milchviehhalter möchten aufgrund der guten marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in neue Stallungen investieren. Hier einige Grundregeln, die bei der Standortwahl und bei der Bauausführung beachtet werden sollten.
Milchkühe ziehen trocken, kalte Umgebungen einem feucht-warmen Raumklima vor. Bereits ab Temperaturen von über 20°C empfinden hochleistende Tiere leichten Hitzestress, der sich in verminderter Futteraufnahme und einem Leistungsrückgang äußert. Bei Umgebungstemperaturen von über 30°C mit gleichzeitig feucht-warmer Luft steigen die Hitzestresssymptome massiv an.
Daher ist es erforderlich, Ställe so zu planen, dass jederzeit ein Wohlfühlklima mit ausreichenden Luftraten erreicht werden kann. Bewährt haben sich in der Praxis Gebäude mit halbgeschlossenen bis offenen Seitenwänden, die mit Curtains bei Bedarf geschlossen werden können. Um eine ausreichende Querlüftung zu gewährleisten, sind zudem Traufhöhen von mindestens 4,50 m zu empfehlen. Die Höhe des Firstes beträgt bei Stallneubauten meist zwischen 8 und 12 m.
Bei der Standortwahl für den neuen Stall ist zu berücksichtigen, dass die Topografie des Standortes den Luftaustausch nicht behindern darf. Insbesondere bei Inversionswetterlagen, beispielsweise bei dichtem Nebel, muss ein Luftabfluss gewährleistet sein. Daher sind Senken und enge Tallagen für den Stallbau nicht gut geeignet.
Neben ausreichend frischer Luft benötigen Milchkühe viel Licht. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Dauer der Tageslänge und die Lichtintensität einen Einfluss auf die Milchleistung und das Fruchtbarkeitsgeschehen der Tiere haben. Die Stallhülle sollte daher eine optimale Ausnutzung des natürlichen Lichts ermöglichen. In den dunkleren Herbst- und Wintermonaten ist die täglich erforderliche Lichtdauer mit künstlichen Lichtquellen zu gewährleisten.
Milchkühe sollen zwischen den Melkzeiten ausreichend lange liegen. Liegezeiten von mindestens 12 Stunden sind erforderlich, damit die Tiere intensiv wiederkäuen und das Futter optimal verwerten können. Daher spielt die Liegeboxengestaltung eine erhebliche Rolle. Im APF-Katalog für tiergerechte Haltung sind zum Beispiel Boxenlängen von 2,40 bis 2,50 m für Hochboxen und 2,70 bis 2,80 m für Tiefboxen vorgeschrieben. Die Liegeboxenbreite sollte etwa 1,25 bis 1,30 m betragen. Der Liegeplatz muss weich, trocken und gut belüftet sein. Die Kuh muss sich ungehindert ablegen und aufstehen können. Mit einer gut gestalteten und gepflegten Liegebox wird das Liegen auf der Weide nachgeahmt.
Die Tiere benötigen neben komfortablen Ruheflächen stets freien Zugang zum Futter und Wasser. Daher sollten die Laufgänge ausreichend breit dimensioniert werden, so dass ein weitestgehend freier Tierverkehr ermöglicht wird. Als Mindestmaße gelten für die Fressgänge mindestens 3,50 m Breite und für die Gänge zwischen den Liegeboxenreihen mindestens 3,0 m. Bei vielen neuen Stallungen werden inzwischen sogar noch breitere Gänge geplant.
Bei der Anordnung der Tränken und falls im Einsatz, der Transponderstationen, ist darauf zu achten, dass Sackgassen vermieden werden. Nur so haben rangniedere Kühe die Chance, ranghöheren Tieren auszuweichen.
Die Tränken müssen so ausgeführt sein, dass sie den Wasserbedarf der Tiere jederzeit decken. Milchkühe benötigen etwa 4 bis 5 Liter Wasser für die Produktion von einem Kilogramm Milch!
- Dateien:
Wochentipp_51-2007_01.pdf


