Toller Erfolg für Familie Schönholzer aus der Schweiz
Jürg und Albert Schönholzer aus Sulgen im Kanton Thurgau sind mit ihrem im Jahr 2008 errichteten Milchviehstall Sieger des jüngsten Schweizer Stallbauwettbewerbs geworden.

Lemmer Fullwood Gebietsverkaufsleiter Pius Muff (li.) gratuliert den stolzen Siegern zu ihrem hervorragenden Ergebnis.


Der Wettbewerb mit verschiedenen Kategorien wurde als Gemeinschaftsprojekt von der Schweizer Bauernzeitung "die grüne" und den landwirtschaftlichen Bildungszentren Arenenberg, Liebegg sowie Grangeneuve durchgeführt.
Neben der Kostenstruktur für den Bau des Stalles und des Melkhauses mit Technik von Lemmer Fullwood bezeichneten die Juroren etliche weitere Aspekte des Betriebes Schönholzer als "top", unter anderem die Flexibilität, den Kuhkomfort und die Arbeitsergonomie.
Familie Schönholzer setzte sich in der Betriebskategorie "Talzone mit Silage" gegen 36 Mitbewerber durch und wurde bei der Schweizer Traditionsausstellung Tier und Technik in St. Gallen für Ihren Erfolg vor großem Publikum ausgezeichnet.
Voraussetzung für die Teilnahme am Stallbauwettbewerb war die Einreichung detaillierter Unterlagen zu den betrieblichen Gegebenheiten, zu den Baukosten, den Arbeitsabläufen und vieles mehr.
Wir gratulieren Familie Schönholzer zu Ihrem Erfolg und wünschen auch für die Zukunft alles Gute.
Mehr über den Betrieb Schönholzer erfahren Sie in der nachstehenden Reportage.
Für die Kühe vom Feinsten
Familie Schönholzer aus Sulgen im Kanton Thurgau hat mit der Investition in einen neuen Stall und neue Melktechnik den Betriebszweig Milchviehhaltung fit für die Zukunft gemacht. Milchprofi hat hinter die Kulissen des Familienunternehmens geblickt.
„Der alte Stall passte nicht mehr zu den Anforderungen unserer Kühe, die mehr Platz, Luft und Licht benötigten. Außerdem war die alte Melktechnik aus arbeitswirtschaftlicher Sicht zum Flaschenhals geworden“, sagt Albert Schönholzer, der gemeinsam mit seinem Sohn Jürg, 25, in vierter Generation einen Betrieb mit rund 58 Milchkühen, 20 Stück Jungvieh und 5 Hektar Obstbau sowie 28 Hektar Grünland bewirtschaftet. „Für mich stand nach meiner Ausbildung fest, dass ich in den elterlichen Betrieb einsteige und mich auf die Milcherzeugung spezialisiere, so dass mein Vater sich künftig voll und ganz auf den arbeitsintensiven Obstbau konzentrieren kann“, sagt Junglandwirt Jürg Schönholzer.
Wohlfühl-Stall in Holzkonstruktion
Um in der Milchproduktion wettbewerbsfähig zu sein, musste Familie Schönholzer einen großen Investitionsschritt tätigen. Im alten Stall wurden etwa 22 Kühe gemolken, zu wenig, um damit ein ausreichendes Einkommen zu erzielen. Daher wurde eine Bestandsaufstockung auf knapp 60 Kühe geplant.
Im Zuge ihrer Überlegungen informierten sich die Betriebsleiter intensiv über verschiedene Stall- und Melksysteme, bevor sie ihre Entscheidung trafen. Fest stand, dass im neuen Stall nur noch die melkenden Kühe untergebracht werden sollten. Das Jungvieh, die Trockensteher und die frisch abgekalbten Tiere würden zukünftig im alten Kuhstall untergebracht. „Bei den Planungen für den Stallneubau und das neue Melkhaus haben wir großen Wert auf möglichst viel Komfort für unsere Kühe und für uns selbst geachtet“, sagen die Landwirte.
Am 22. Februar 2008 hat die Herde Einzug in den neuen Milchviehstall gehalten. Dieser ist als Dreireiher in Holzbinderkonstruktion ausgeführt. „Neben der Funktionalität spielt für uns auch die Optik eine Rolle. Daher haben wir uns für die Holzbauweise entschieden“, sagt Albert Schönholzer. Für ein optimales Wohlfühlklima mit viel Luft und Licht sorgen ein 9 Meter hoher First, Curtains an den Außenwänden und Lichtplatten im Dach. Um auch in der dunklen Jahreszeit eine ausreichende Tageslichtlänge zu erreichen und ein Lichtprogramm fahren zu können, sind im Stall Kaltdampflampen installiert.
Auf den planbefestigten Laufgängen aus Beton mit Gummigranulat haben die Kühe viel Platz und können sich trittsicher bewegen. Die Entmistung erfolgt mit zwei Breitschiebern, die mehrmals am Tag laufen. Bei der Gestaltung der Liegeboxen legten die Schönholzers besonderen Wert auf das Tierwohl. Sie entschieden sich für Hochboxen mit einer Komfortliegematte und einem Freiraumliegeboxen-Trennbügel. Die Liegeboxen werden alle mit einer dicken Schicht Stroh eingestreut und von den Kühen hervorragend angenommen. „Die Ruhe in der Herde ist beeindruckend“, sagt Albert Schönholzer, „die Tiere fühlen sich in dem neuen Stall rundum wohl.“
Gefüttert werden die Kühe zweimal täglich mit dem Futtermischwagen. Die Ration ist auf 27 Kilogramm Milchleistung ausgelegt. Zum gezielten Ausfüttern der Leistungsspitzen kommen zwei Kraftfutterstationen zum Einsatz, die mittig im Stall angeordnet sind. Automatische Sektionaltore an der Stallvorder- und Hinterseite sorgen für eine Arbeitszeitersparnis beim Füttern.
Im vorderen Bereich des Futtertisches befinden sich 10 Plätze Selbstfanggitter, die zum Festsetzen der Kühe zur Besamung oder für andere Tätigkeiten genutzt werden. Die restlichen Meter der Fressachse sind mit zwei Nackenrohren bestückt.
Helles Melkhaus mit Fischgräten-Melkstand
Vom Stall aus gelangen die Kühe in den außen liegenden Wartehof, der dem neuen Melkhaus vorgeschaltet ist und ausreichend Platz für die gesamte Herde bietet. Das Melkgebäude mit den aufklappbaren Lichtplatten im First ist angenehm hell. Für viel Platz sorgt die großzügig dimensionierte Melkergrube. Um den Melkstand vom Technikraum aus ebenerdig betreten zu können, wurde am Übergang eine „Kuhbrücke“ installiert, die mit einem Handgriff hochgeklappt werden kann.
Bei der Wahl des Melkstandes fiel die Entscheidung auf ein 2 x 6er Fischgrätensystem in steiler Ausführung „Typ Holstein“ von Lemmer Fullwood, welches ohne großen technischen Aufwand auf 2 x 9 Plätze erweitert werden kann. Kompetente Beratung erhielt Familie Schönholzer bei der gesamten Planung und Ausführung von Lemmer Fullwood Gebietsverkaufsleiter Dirk Bechmann. „Gemeinsam mit ihm haben wir den Melkstand genau auf unsere Bedürfnisse abgestimmt“, sagt Jürg Schönholzer.
Bei der technischen Ausführung wurde viel Wert auf arbeitszeitsparende Details und hohen Arbeitskomfort gelegt. Für eine blendfreie Ausleuchtung des gesamten Euterbereiches beim Melken sorgt das Lichtband im Supportholm aus Edelstahl. Jeder Melkplatz ist mit Easy Flow Melkplatzterminals ausgestattet, die die Pulsation, das automatische Anrüsten sowie die Abnahmeautomatik steuern. Auf dem Display stehen tierindividuell die wichtigsten Parameter während jeder Melkzeit zur Verfügung. Die Bedieneroberfläche beinhaltet einen Nummernblock sowie übersichtliche Tasten mit grafischen Symbolen zur Kuhnummernanzeige, zur Leitfähigkeit und Milchmenge, zum Melkstart und –stopp sowie eine Taste für die ACR-Abnahme und den Spülmodus.
An jedem Melkplatz befinden sich zudem Easy Flow Präzisionsmilkmeter, die im Supportholm installiert sind, in dem sich auch die Milchleitung befindet. Die Milkmeter erfassen automatisch und tierindividuell während jeder Melkzeit die Milchmenge und den Leitwert. Die Tiererkennung erfolgt mit einer Ringantenne am Melkstandeingang, die jede Kuh anhand ihres Präzisionspedometers, das am Hinterbein angebracht ist, identifiziert.
Eine optimale Hygiene beim Reinigen der Melktechnik mit einem gleichzeitig effizienten Einsatz von Energie bietet die Kochendwasser-Energiesparreinigung. Der gesamte Reinigungsvorgang dauert nur etwa sechs Minuten.
Auch bei der Kühlung der Milch hat Familie Schönholzer Wert auf energiesparende Details gelegt. Der 3800 Liter fassende Eiswasserkühltank mit dem vorgeschalteten Rohrkühler Delta-T sowie einer Wärmerückgewinnung sorgt für eine deutliche Reduzierung der Energiekosten.
Mit FULLEXPERT die Herde stets im Blick
Bei der Entscheidung für die neue Melktechnik stand für Albert und Jörg Schönholzer auch fest, dass das Herdenmanagement zukünftig mit der automatisierten Tierbeobachtung FULLEXPERT erfolgen sollte. „Damit kann eine Person allein die Herde führen, ohne selbst ständig im Stall sein zu müssen. Dennoch ist eine lückenlose Tierbeobachtung jederzeit gewährleistet“, sagt Jürg Schönholzer. „Das System passt somit hervorragend zu unserem Konzept. Denn besonders im Herbst haben wir durch den Obstbau Arbeitsspitzen, die in der Vergangenheit doch immer wieder zu einer Vernachlässigung der Tierkontrolle geführt haben. Mit FULLEXPERT gehen wir nun auf Nummer sicher“, sagt sein Vater Albert.
Die Präzisionspedometer am Hinterbein jeder Kuh messen kontinuierlich die Aktivität. In Verbindung mit den im Melkstand erfassten Daten zu Milchmenge und Leitwert liefert die automatisierte Tierbeobachtung somit wertvolle Entscheidungshilfen für das Gesundheits- und Fruchtbarkeitsmanagement der Herde. „Die Brunsbeobachtung läuft bereits jetzt zu 100 Prozent automatisiert ab, wir verlassen uns voll und ganz auf die Aussagen von FULLEXPERT“, sagt Jörg Schönholzer. Im Stallbüro ruft er morgens und abends die für ihn relevanten Daten wie Milchmenge, Tiere mit Gesundheitsabweichung und Tiere zur Besamung auf. Der Stall-PC ist über das Internet mit dem Computer im Haus vernetzt, so dass die Informationen jederzeit überall abrufbar sind.
Um Einzeltiere ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand von der Herde trennen zu können, befindet sich am Übergang vom Melkstand zum Stall eine automatische Selektionseinrichtung. Falls ein Tier zur Besamung, zur Untersuchung oder zur Behandlung von der Herde separiert werden soll, geschieht dies einfach per Knopfdruck vom Melkbereich aus. Am Selektionstor wird die betreffende Kuh identifiziert und automatisch in den Behandlungsbereich geleitet, der mit Gattern abgesperrt werden kann.
Um eine lückenlose Brunstbeobachtung auch bereits bei den Jungrindern zu gewährleisten, tragen diese ebenfalls ab einem Alter von etwa 12 Monaten Präzisionspedometer, die die Aktivität erfassen. Die Tiererkennung und das Auslesen der Daten erfolgt mit einer Antenne unterhalb der Tränke im alten Kuhstall. Familie Schönholzer ist der erste Betrieb in der Schweiz mit der automatisierten Färsenbrunsterkennung.
Fazit
Die Investition in den neuen Stall und die neue Melktechnik sowie in die automatisierte Tierbeobachtung hat sich gelohnt. Im Zuge der Bestandsaufstockung wurden Braunviehkühe in die Holstein-Herde integriert, die das Leistungsniveau von vorher durchschnittlich 28 Kilogramm Milch pro Kuh und Tag ebenfalls bereits nach kürzester Zeit erreicht haben. „Wir sind begeistert über diese Leistungsentwicklung und blicken positiv in die Zukunft. Der Betriebszweig Milchviehhaltung ist nun bestens für eine erfolgreiche Produktion gerüstet“, sind sich die Betriebsleiter einig.

