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Weide und Stall vier Jahre lang im Systemvergleich

Schweizerisches Projekt „Systemvergleich Milchproduktion Hohenrain“ abgeschlossen

Rund 700 Besucher nahmen an der Feldtagung zum Systemvergleich "Weide- und Stallhaltung" teil.

„Fütterung im Stall mit Teilmischration“ oder „Vollweide mit saisonaler Abkalbung“? – Diese Frage begleitete die rund 700 Besucherinnen und Besucher während der Feldtagung am 7. September 2011 im Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung (BBZN) im schweizerischen Hohenrain/LU. Zum Abschluss des Projekts "Systemvergleich Milchproduktion" boten die Projektpartner unter dem Dach vom BBZN Hohenrain und von Profi-Lait einen attraktiven Mix aus Fakten, Tipps und Fragen. Die Präsentationen sollen Landwirte dazu anspornen soll, den eigenen Betrieb nach Optimierungspotentialen zu durchleuchten.

Das von 2007 bis 2011 laufende, einmalige Verbundforschungsprojekt hat die wesentlichen Schlüsselgrössen der beiden Milchproduktionsstrategien Stallfütterung und Vollweidesystem untersucht. Dazu gehören die Bereiche Fütterung, Tierhaltung, Ökologie und Betriebswirtschaft. Ziel war es, Wege aufzuzeigen, um Milch noch erfolgreicher produzieren zu können.

Laut der Abschlusspresseinformation wurde über die beiden Systeme zum Teil als "Extrembeispiele" diskutiert. Trotz vieler Fakten trug die Diskussion dabei manchmal Züge einer Glaubensfrage. Auch die im Rahmen des Projekts durch die Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART durchgeführten Befragungen von Vertretern des Stallfütterungs- und des Vollweidesystems wiesen auf die Bedeutung der unterschiedlichen Produktionsphilosophien: Obwohl gegenseitige Anerkennung durchaus vorhanden ist, betrachteten die Vertreter des Vollweidesystems die kapitalintensive Produktion der "Stallhalter" eher kritisch und fanden, diese sei nicht zuletzt wegen der starken Mechanisierung und intensiveren Fütterung ökologisch ineffizient,. Den Vertretern des Vollweidesystems wiederum wurde vorgehalten, ihren Tieren keine vollwertige Fütterung garantieren zu können, dieses Produktionssystem wegen der geringeren Arbeitsbelastung gewählt zu haben und ihren Produktionsauftrag nur halbherzig wahrzunehmen.

Aus den eigentlichen Ergebnissen zog Martin Lobsiger (Profi-Lait) ein abwägendes Fazit: „Nicht alle Betriebe haben für beide Systeme optimale Voraussetzungen. Vielfältig wie die Betriebe werden auch die Produktionsformen bleiben. Wichtig ist eine professionelle Produktionstechnik, die neue Erkenntnisse aufnimmt.“

Im Detail bilanzierte die Stallherde bessere Milchgehalte, höhere Erlöse und einen ausgeglichenen Milchverkauf über das Jahr. Bei der Stallherde müssen allerdings die Kosten im Griff gehalten werden. Die Weideherde hat eindeutig Vorteile bei den Kosten. Insbesondere bei grösseren Produktionsmengen müssen aber die betrieblichen Voraussetzungen und das Bezahlungssystem über das Jahr hinweg stimmen.

„Mit beiden Systemen konnte im Projekt Geld verdient werden. Wichtig ist, die ganze Produktionskette zu optimieren und nicht nur einzelne Bereiche. Eine einmal gewählte Strategie sollte konsequent praktiziert werden. So kann Milch in guter Qualität mit einem hohen Tierwohl zu relativ niedrigen Kosten produziert werden“, so Martin Lobsiger weiter.

Zum Hintergrund:

Systemvergleich Milchproduktion Hohenrain

Im Projekt «Systemvergleich Milchproduktion Hohenrain» wurden am Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung (BBZN) in Hohenrain LU auf demselben Betrieb zwei Herden mit unterschiedlichen Milchproduktionssystemen verglichen. Die «Stallherde» setzte auf überdurchschnittliche Leistungen pro Kuh und wurde intensiver im Stall gefüttert. Die «Weideherde» setzte auf hohe Leistung pro Hektare Weidefläche mit Vollweidesystem und saisonaler Abkalbung im Frühling. Beiden Herden standen gleich viel Futterfläche zur Verfügung. In den sieben Teilprojekten "Futterbau", "Tierhaltung", "Milchqualität und Saisonalität", "Arbeitswirtschaft", "Betriebswirtschaft und Modellrechnungen", "Soziales und Werte" sowie "Ökologie und Tierwohl" bearbeiteten rund 20 Fachleute Fragen rund um die zwei Milchproduktionssysteme. Das Projekt dauerte von 2007 bis 2011 und wurde getragen und bearbeitet vom BBZN Hohenrain/Schüpfheim, dem Kanton Luzern, der SHL, der AGFF, den ZMP und SMP, den Forschungsanstalten Agroscope ALP und ART sowie Profi-Lait. Detaillierte Informationen zum Projekt gibt es unter www.milchprojekt.ch.

19. Nov 11