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„Wir müssen die Akzeptanz für eine moderne Landwirtschaft verbessern“

Interview mit Peter Bleser, MdB und Staatssekretär beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im aktuellen "Milchprofi"

Die Verbesserung der Akzeptanz beim Verbraucher und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe sind die entscheidenden Herausforderungen für Deutschlands Milchviehhalter – Milchprofi-Interview mit Peter Bleser, MdB und seit Februar Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Milchprofi: Sie haben Mitte Februar Ihr neues Amt als parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz angetreten. Welche Aufgabe sehen Sie in Ihrem Arbeitsgebiet für die zweite Hälfte dieser Wahlperiode als die größte Herausforderung an?

Bleser: Ich möchte meinen Beitrag dafür leisten, dass die 2005 eingeleitete Agrarwende weiterhin erfolgreich bleibt. Dafür ist auf der einen Seite die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit zur Erschließung neuer Märkte von entscheidender Bedeutung. Auf der anderen Seite müssen wir die Akzeptanz in der Gesellschaft für eine moderne landwirtschaftliche Produktion verbessern. Dies gilt für den Tierschutz, für die Produktsicherheit in einer arbeitsteiligen Lebensmittelproduktion und für die Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Produktion. In all diesen Bereichen streben wir eine Spitzenproduktion an.

Milchprofi: In Ihrem Ministerium ist die öffentliche Diskussion „zur Rolle und den Aufgaben der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland“ angeschoben worden. Hieraus soll die „Charta für Landwirtschaft und Verbraucher“ entwickelt werden. Was erwartet die deutschen Milchviehhalter hierbei?

Bleser: Der Chartaprozess ist eine von unserem Haus initiierte öffentliche Diskussion über Ziele und von der Gesellschaft geforderte Werte in der Agrarwirtschaft. Die Milchwirtschaft kann hier ein gutes Beispiel sein, weil sie wie keine andere Produktionsrichtung die Ställe tierfreundlich und gleichzeitig wirtschaftlich weiterentwickelt hat. Dieser Strukturwandel ist dank beachtlicher Förderung durch die Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur (GAK) ein gewolltes Ergebnis unserer Politik. Insgesamt werden aber auch die Milchviehalter von einer stärkeren Akzeptanz der landwirtschaftlichen Produktion in unserer Gesellschaft profitieren.

Milchprofi: Die Struktur der Milchviehwirtschaft ist ja in Deutschland sehr unterschiedlich: Im Norden haben die Betriebe ganz andere Betriebsgrößen und damit andere Sorgen als die Berufskollegen im Süden und die wiederum haben andere Herausforderungen als die Kollegen in den neuen Bundesländern zu bestehen. Wie kann das Ministerium diese Ansprüche unter einen Hut bringen?

Bleser: In jeder Branche gibt es unterschiedliche Strukturen. Dem BMELV kommt es daher nicht auf ein spezielles Leitbild oder eine bestimmte Produktionsweise an, sondern die Förderung erfolgt über die einheitlichen Förderbedingungen der GAK. Am Markt sind letztlich Qualität, Lieferpünktlichkeit und Preis die entscheidenden Kerngrößen. Darüber hinaus können die Regionalität und die Produktionsweise begrenzt als gewünschter Mehrwert in die Milchprodukte eingepreist werden. Entscheidend für die wirtschaftliche Perspektive von Milchviehhaltern ist, unter Beachtung der vorgenannten Punkte, wie der jeweilige Milchviehbetrieb seine Kosten im Griff hat. Dabei werden die technischen Entwicklungen der letzten Jahre bei der Kostenreduzierung pro Arbeitskraft entscheidende Hilfen sein.

Milchprofi: Sie haben Ihren Betrieb vor acht Jahren an Ihren Sohn übergeben, die Politik ist ja ein Full-Time-Job. Wie wichtig ist für Sie heute der „Bodenkontakt“ zur Praxis?

Bleser: Die Kenntnis der Arbeit im landwirtschaftlichen Betrieb sowie meine Erfahrungen auf der Vermarktungsseite sind mir in meiner jetzigen Funktion wertvolle Hilfen. Nach wie vor kann man mich insbesondere am Wochenende zuhause im Melkstand antreffen. Diesen Praxisanspruch bringe ich als Parlamentarischer Staatssekretär – wie schon vorher als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Ernährung – aktiv in die Politik unseres Hauses ein.

Milchprofi: Welchen Tipp haben Sie zum Schluss für erfolgreiche Milchviehhalter: Worauf kommt es Ihrer Meinung nach entscheidend an, um die Zukunft zu meistern?

Bleser: Bei allen Möglichkeiten, die die Politik zur Unterstützung einer leistungsfähigen Milchwirtschaft anbieten kann, bleiben letztendlich die Fähigkeiten, die Leistungsbereitschaft und die Marktorientierung die entscheidenden Voraussetzungen dafür, dass die schon jetzt sehr leistungsfähige Milchwirtschaft eine gute Zukunft hat. Politisch wie privat bin ich da sehr optimistisch.

Das Interview führte Dirk Gieschen.

Sie erhalten die neue Ausgabe des „Milchprofi“ bei der Lemmer-Fullwood GmbH, Oberste Höhe, 53797 Lohmar, Telefon (02206) 9533-60, per Mail an info(at)lemmer-fullwood.de oder im Internet unter www.lemmer-fullwood.de.

08. Jun 11