Konzept mit vielen pfiffigen Ideen
Milchproduktion hat Zukunft
Die Situation auf dem Hof Neuscheler in Walddorfhäslach, Kreis Reutlingen, am Rand vom Naturpark Schönbuch, glich vor drei Jahren noch der vieler Betriebe in Ortsrandlage: veraltete Stallanlagen und eine immer näher rückende Wohnbebauung boten kaum Perspektiven für betriebliches Wachstum. Hinzu kam die dringende Notwendigkeit zur Modernisierung der fast 30 Jahre alten Technik in der Milchviehhaltung.
Trotz dieser eher schlechten Ausgangslage sahen zwei der fünf Neuscheler Söhne, Matthias und Gerhard, ihre Zukunft in der Landwirtschaft an diesem Standort und entschlossen sich, gemeinsam den Betrieb weiter zu entwickeln.
"Nach kurzer Zeit war uns klar, der Weg führte nur über die Aussiedlung", berichten die beiden Brüder heute rückblickend.
Neubau auf der grünen Wiese
Nach einer zweijährigen Planungsphase und 17 Monaten Bauzeit, ist heute nahe der Ortschaft Walddorfhäslach der neue Schönbuchhof entstanden; ein vorbildlicher landwirtschaftlicher Betrieb, der den beiden Betriebsleitern und ihren jungen Familien nicht nur ein neues Zuhause sondern einen modernen, durchdachten Arbeitsplatz bietet und damit Perspektiven für die nächsten Jahre.
Vorbildliche Detail-Lösungen
Für den Besucher lohnt ein Rundgang auf dem Betrieb, denn er zeichnet sich durch zahlreiche interessante Lösungen aus. So haben Gerhard und Matthias Neuscheler untereinander ihre Aufgaben klar verteilt. Gerhard Neuscheler ist in der Innenwirtschaft für das Management der Milchviehherde verantwortlich, zu der heute 80 Milchkühe (Schwarzbunt, Stalldurchschnitt 2004: Knapp 9000 kg Milch/Kuh/Jahr) samt Nachzucht zählen. Bruder Matthias betreibt ein Lohnunternehmen und kümmert sich um die Fütterung. Die Außenwirtschaft wird gemeinsam erledigt.
Rund 200 Hektar Nutzfläche gehören zum Betrieb. "Hier setzen wir auf leistungsstarke Maschinen, beispielsweise bei der Silage-Ernte. Überkapazitäten dabei werden für die Lohnarbeit genutzt. Neben der Getreideernte stellt vor allem der Maisanbau einen Schwerpunkt im Dienstleistungsangebot des Lohnunternehmens dar", berichtet Matthias Neuscheler.
An der Hofeinfahrt befindet sich ein großzügiges Doppelhaus, in dem die zwei jungen Familien ein neues Zuhause gefunden haben. Gleich im Anschluss stehen drei neu erbaute Wirtschaftsgebäude: Maschinenhalle, Jungviehstall und Milchviehstall mit Melkgebäude.
Alle Wirtschaftsgebäude verfügen über eine Profilblechfassade samt Dacheindeckung. "Preiswert und funktional, zudem wartungsfrei", urteilt Gerhard Neuscheler über diese besondere Variante. Farbig angepasst an die traditionellen Bauernhoffarben der Region, rot und beige, passt sich das Anwesen hervorragend in die Landschaft.
Wellness für die Kuh
Die Milchviehherde ist in einem großzügigen licht- und luftdurchfluteten Boxenlaufstall untergebracht. An den Traufseiten sorgen Curtains automatisch gesteuert für optimale Klimaverhältnisse, Sonnenschein auf Wunsch und schaffen damit eine "Wohlfühlatmosphäre" für die Kühe und das Personal.
Dazu trage auch der großzügige Luftraum bei, wie Gerhard Neuscheler beim Hofrundgang berichtet. Mehr als 10 Meter hoch verläuft der Licht- und Luftfirst über dem zentralen Futtertisch und sorgt für ein hervorragendes Frischluftreservoir.
Viel Platz bedeutet Kuhkomfort
Bei der Planung des neuen Stalles haben die jungen Landwirte, die zur Vorbereitung zahlreiche Exkursionen zu Rindviehställen in ganz Deutschland unternommen haben, Wert auf sehr viel Platz gelegt. Alle Laufgänge, z. B. zwischen Fressgitter und den Tiefboxen mit Stroheinstreu, sind komfortabel breit angelegt.
"Als Mindestmaß haben wir die Breite angesehen, die zwei Kühe benötigen, um hinter den fressenden Kühen problemlos aneinander vorbeizugehen. Jede Gruppe hat zwei Trogtränken auf den breiten Übergängen. Diese sind so angelegt, dass keine Sackgassen entstehen. Dies sorgt für weitaus mehr Ruhe in der Herde, denn so können sich beispielsweise Rivalinnen im Stall aus dem Weg gehen."
Die Herde ist insgesamt in vier Gruppen aufgeteilt. Zwei Leistungsgruppen, eine Trockenstehergruppe und eine Transitgruppe. Sie alle werden über TMR-Fütterung zweimal täglich versorgt.
Durchdachte Detail-Lösungen
Interessante Details sind die große Abkalbebucht mit Stroheinstreu, ein Selektionsraum direkt am Ausgang vom Melkstand sowie ein im Futtergang versenkter Treibgang zwischen den beiden Stallhälften. "So werden die Tiere zum Melkstand getrieben, ohne dass der Futtergang verschmutzt wird. Alle Laufgänge sind mit dem Radlader problemlos befahrbar."
Im Vorfeld des Melkhauses findet man den mit Fließasphalt versehenen Warteraum und die automatische Zutreibehilfe mit einem Mistschieber.
Moderne Melktechnik steht im Mittelpunkt
Im Mittelpunkt der Milchviehhaltung steht schließlich der neu erbaute Melkstand, in dem ein Doppel-Achter Fischgrätmelkstand von Lemmer-Fullwood seinen Dienst tut.
Das neue Melkhaus wurde stirnseitig in massiver und isolierter Bauweise am Boxenlaufstall angebaut.
"Die Entscheidung für FULLWOOD war schnell gefällt, denn schon im alten Boxenlaufstall haben wir gute Erfahrungen mit der Technik von FULLWOOD gemacht, insgesamt mehr als dreißig Jahre."
Sie überzeugte durch hohe Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und geringen Wartungsbedarf. Allerdings gab es lange Diskussionen über das Melkstandkonzept. Uns persönlich gefällt die Fischgräte am besten. Vor allem wegen der Sicht auf die Tiere. Allerdings ist ein Schnellaustrieb wie z.B. beim Side by Side-Melkstand unschlagbar bei der Geschwindigkeit des Gruppenwechsels.
Wir haben uns schließlich für die Mischung beider Melkstandkonzepte entschieden: Fischgräte mit Schnellaustrieb - "Rapid Exit von FULLWOOD", berichten die Brüder.
Für Freude beim Melken
Im Melkstand findet man wieder zahlreiche interessante Lösungen und die Handschrift der Milchprofis. Ein breiter Warteraum sorgt für ständigen Nachschub und kaum Zeitverlust beim Gruppenwechsel. Gleich am Ausgang des Melkhauses wurde ein Behandlungsstand integriert. Über ein Selektionstor werden auffällige Tiere automatisch selektiert.
Statt beengender Zwischendecke öffnen sich ein hoher Luftraum und eine lichtdurchflutete Dachkonstruktion. Weiße Fliesen sorgen nicht nur für angenehme Raumfarben sondern ermöglichen ein problemloses Sauberhalten des Melkstandes.
Neben der Melkgrube und den Standflächen sind auch die Laufgänge mit Fließasphalt ausgelegt. Bei der Ausstattung des Melkstandes haben die beiden Brüder auf die Umsetzung neuester Erkenntnisse aus der Melktechnik Wert gelegt.
"So ist uns beispielsweise wichtig, dass die steigenden Minutengemelke der Tiere rasch abgeführt werden. Sammelstücke mit hoher Durchgangsleistung aber vor allem auch Rohrleitungen mit Durchmessern von 76 mm sorgen insbesondere dafür, dass kein Milchrückstau in den Leitungen und dadurch Vakuumsschwankungen entstehen.
Moderne Technik sorgt für Melk-Effizienz
Es verwundert kaum, dass der Melkstand mit dem umfassenden Technikpaket ausgestattet ist. Neben einer automatischen Identifikation über Pedometer - beim Betreten des Melkstandes werden die Tiere über eine Bodenantenne erkannt - gehört neben der Milchmengen-, Aktivitäts- und Leitfähigkeitsmessung auch eine Milchfluss gesteuerte Pulsation vom Typ Variopuls zur Ausstattung.
Der neue Melkstand gehört der Megaline Baureihe von Lemmer-Fullwood an. "Bei diesem Melkstandkonzept haben Details überzeugt. Das blendfreie Lichtband im Holmkasten integriert sorgt für eine optimale Kuh- und Euterbeobachtung."
"Die Pulsatoren sind in dem verschlossenen Holmkasten untergebracht. Dies sorgt für eine deutlich reduzierte Geräuschbelastung im Melkstand. Zudem lässt sich alles sehr gut reinigen."
Herden-Management bringt Transparenz
Jedes Terminal verfügt über ein Dataflow-Milkmeter, welches alle relevanten Daten, wie z.B. tatsächliche Milchleistung, Leitfähigkeit und die erwartete Milchleistung einer jeden Kuh direkt am Melkplatz darstellt. Die gewonnenen Daten werden mit FULLEXPERT® verarbeitet und geben in der Auswertung eine bisher nicht gekannte Hilfe bei der Herdenführung", urteilen die beiden Betriebsleiter. "Da kann einer den anderen vertreten, ohne dass Informationslücken entstehen!"
Automatische Tierbeobachtung ist machbar!
"Dieses System von FULLWOOD sorgt für eine automatische Tierbeobachtung. Unmittelbar werden uns alle Problemkühe direkt beim Melken oder in Alarmlisten angezeigt. Außerdem werden mit Hilfe dieses Systems auch brünstige Tiere über die Aktivität erkannt, separiert und zur Besamung vorgeschlagen. Dadurch ist es möglich, dass auch bei Arbeitsspitzen in der Außenwirtschaft, wenn die Zeit für eine intensive Brunstbeobachtung nicht vorhanden ist, die brünstigen Kühe erkannt werden. Auffällige Tiere werden nach ihrem Melkvorgang über das Separationstor automatisch in die Selektionsbucht separiert.
Dazu Gerhard Neuscheler: "In der Praxis machen wir die Erfahrung, dass das System Krankheiten, brünstige Tiere und Änderungen des Gesundheitszustandes erkennt, ohne dass die Kuh auffällig geworden ist. Beispielsweise bei einer nahenden Ketose. Wenn FULLEXPERT® auf eine solche Situation hinweist, ist auch meistens etwas im Busch. Wir schauen uns die Kühe dann genau an."
Ein wesentlicher Vorteil dieses Systems ist zudem, dass nicht nur die reinen Leistungsdaten analysiert werden, sondern alle Herdendaten einschließlich Gesundheitsstörungen verarbeitet werden - dazu zum Beispiel das Medikamentenbuch oder die Zuchtdatenverwaltung. Ebenso haben wir FULLEXPERT® mit der HIT-Datenbank gekoppelt, so dass Tiermeldungen per Mouseklick aus einer Oberfläche heraus erfolgen. Die Kopplung an die Besamungsstation befindet sich im Aufbau.

